EXPERIMENTELLE PRAXIS UND SPRACHDYNAMIK
Was wir über die Wirklichkeit erfahren können, in der wir leben, ist niemals bloß gegeben. Es entsteht und entwickelt sich im Verlauf eigener Tätigkeit, die auf das Unvorhergesehene ausgerichtet ist, auf das, was man nicht weiß.
Wissenschaftliche, technische und sprachlich-kulturelle Vorgehensweisen interagieren dabei auf vielschichtige Weise, was neuere Wissenschaftsforschung zunehmend in den Blick nimmt.
Erwin Schrödinger hat im Zusammenhang mit physikalischen Experimenten auf das Zusammenspiel von Sprache und Denken hingewiesen:
In the inseparable union of speech and thought the primacy, rather paradoxically, rests with speech.
Und warnt vor den Implikationen eines unreflektierten Umgangs mit Wörtern :
… we are apt to forget that they were originally meant as an abbreviation; we are induced to believe that they describe a reality.
Inwiefern kann Sprache als „vorrangig“ angesehen werden, welcher Art sind ihre „Abbreviaturen“?
Wo und wie berühren wir die Wirklichkeit? (Werner Heisenberg)
An Beispielen aus wissenschaftlicher Praxis und literarischem Schaffen soll diesen Wechselwirkungen nachgegangen werden, die für unser Erkennen und Handeln von Bedeutung sind.
To trust that a thing we know is real is (…) to feel that it has the independence and power
for manifesting itself in yet unthought of ways in the future.
Michael Polanyi

